Wieder einmal hat Rand Fishkin eine Diskussion losgetreten. Diesmal geht es um die Frage, ob „SEO“ eigentlich noch als Bezeichnung für die Branche taugt. Denn auf der einen Seite gibt es jede Menge Sachen, die mit Suchmaschinenoptimierung gar nicht mehr so viel am Hut haben. Auf der anderen Seite hat SEO bei manchen auch ein negatives Image. Wäre es nicht besser, es gäbe einen anderen Begriff?
Rand lässt keinen Zweifel daran, dass SEO eine echte Marke ist. Es ist klar, was damit gemeint ist. Über viele Jahre hat es sich zu dem entwickelt, was es heute ist. Dass SEO eine tolle Sache ist, dass hier viele coole Leute arbeiten und dass es phänomenale Events gibt, das ist alles unbestritten.
Doch es gibt auch einige Probleme. Fragt man zum Beispiel jemanden, der mit der Sache sonst nicht viel zu tun hat, erntet man oft ein Naserümpfen. „Da geht es doch um zweifelhafte Tricks und Suchmaschinen-Spamming…“ Den besten Ruf der Welt hat SEO sicher nicht.
Punkt 1: SEO hat ein schlechtes Image
Egal, wie viele Gegenbeispiele es gibt, egal, wie viel dagegen angeschrieben wird: SEO klebt das Etikett am Kittel, dass es dabei um unsaubere Manipulationen geht. Vorbehalte begegnen einem selbst bei denen, die Suchmaschinenoptimierung sonst gerne für die eigenen Projekte nutzen. Und auch in webaffinen Kreisen, die es eigentlich ein bisschen besser wissen könnten, trifft man nicht selten auf Gegrummel.
Würde es da helfen, wenn SEO anders heißt? Wohl kaum. Ob es nun unter die Überschrift „Online gefunden werden“, „Search Engine Visibility“ oder „Content Optimierung“ läuft, das Grundproblem bleibt stets dasselbe.
Punkt 2: Modernes SEO ist viel mehr als SEO
Gleichzeitig kommt noch ein zweiter Punkt dazu: SEO überlappt sich heute immer mehr mit anderen Gebieten. Schon ein kleiner Check via LinkedIn zeigt, dass neben SEO zum Beispiel Content Marketing, Social Media, Web Analytics und anderes mit in die Suchmaschinenoptimierung hereinspielen (vergleiche dazu die Infografik bei SEOmoz).
Als versierter SEO braucht man auch Fähigkeiten in Social Media, in Content Vermarktung, Analytics und in Conversion Optimierung. Wie diese Kombination am besten zu beschreiben ist, darum geht es in der Diskussion. Soweit einmal die Haupt-Argumente aus dem Post.
Ein neues Label für die SEO-Branche
Man könnte vielleicht sagen, dass es um so etwas wie eine neue Dachmarke für die Suchmaschinenoptimierung geht. Ein neues Label, das besser rüberbringt und kommuniziert, was SEOs heute machen. Quasi ein neuer title tag, der nicht mehr so leicht unter Spam-Verdacht gerät.
Erinnert uns das an was?
Erst vor ein paar Wochen gab es dank Johannes Beus von Sistrix einige Debatten, ob es besser ist, sich auf die SEO-Basics zu konzentrieren und ob man die ganzen neuen Methoden überhaupt braucht. Damals ging es vor allem um die Frage, ob klassisches Linkbuilding usw. für ein gutes Google-Ranking reicht. Viele merken, dass es außer den etablierten SEO-Techniken ganz schön viel da draußen gibt, was rund um Suchmaschinenoptimierung sinnvoll ist, oder eventuell sinnvoll sein könnte, jedenfalls durch die Weblogs zirkuliert und von Kunden nachgefragt wird. Aber viele fragen sich, was der SEO denn noch so alles machen soll.
Im Hintergrund meldet sich da im Grund genau das an, was Rand Fishkin thematisiert: Bekommt SEO mit Social Media & Co eine ganz neue Dimension, die die bisherige Definition nicht deutlich übersteigt?
Social Media und andere SEO-Neuerungen
Eine ganz ähnliche Debatte gab es rund um die publizierten Ranking Faktoren 2012 von Searchmetrics eine Woche vorher. Ob nun als pure „Korrelation“ oder als echter Ranking Faktor, irgendwie sind die Social Signals da und machen sich bemerkbar. Und damit geht die Frage wieder los: Muss der SEO jetzt auch Social Media Manager werden? Braucht die SEO Agentur eine extra PR Abteilung für New Media Public Relations? Wie viel von dem, was durch Social Media Optimization, mit Content und Conversion Optimierung da auf einen zukommt, hat noch mit klassischem SEO zu tun?
Ein neues Label, das diese und andere Punkte subsummiert, wäre das da irgendwie sinnvoll?
Rand Fishkin schlägt übrigens den Überbegriff „Inbound Marketing“ vor.
Inbound Marketing: Gefunden werden, statt aufdringliche Werbung
Denn Inbound Marketing bedeutet:
- Kombination von Content Erstellung und Conversion Optimierung
- Nutzung von Websuche, Social Media, Public Relations, Blogs, Links, E-Mail und Mund-zu Mund-Propaganda, um diese Inhalte zu promoten
- Ausgearbeitete Analyse-Methoden zur Bestimmung, was Content, Traffic usw. wert ist
Also ein Setting, das ziemlich viele Punkte von dem beinhaltet, was im erweiterten SEO heute anzutreffen ist. Der Vorteil wäre außerdem, dass alte Vorbehalte rund um SEO hier vielleicht nicht so schnell nach vorne kommen. Der Clou beim Inbound Marketing ist generell, dass es hier eher ums gefunden werden geht, als um aggressives Marketing.
Mit seiner Präferenz für Inbound Marketing steht Fishkin nicht allein, auch etliche andere Vertreter von Rang und Namen setzen auf dieses Pferd. Ganz neu ist der Vorschlag denn auch nicht. Schon seit längerem verfolgt Rand die Idee, etwa durch das Projekt Inbound.org.
Imagewechsel, neues Label oder weiter so?
Was meint Ihr zu der Debatte um ein neues SEO Label? Würde Inbound Marketing für den deutschen Kontext passen? Kennt Ihr auch Probleme mit dem schlechten Image? Braucht es überhaupt die Diskussion oder reicht SEO noch immer als Aufgabenbeschreibung aus?




{ 1 Kommentar }
SEO ist als Name und mittlerweile auch Marke weltweit etabliert. Ein Labelwechsel finde ich nicht passenden. Viel mehr sollte man es durch die zusätzlichen Faktoren als eine Art SEO 2.1 ansehen. Denn wer weiß wie es in ein paar Jahren aussieht?!?
Bis dahin könnte sich alles grundlegend verändert haben und was ist dann? Sollte man dann erneut einen neuen Namen finden? SEO sollte SEO bleiben auch wenn sich die Faktoren die es beeinflussen ändern. Ich frage mich was sich gerade ein SEO-Guru wie Rand Fishkin von einer solchen Aussage erhofft hat. Für bleibt SEO immer SEO und das ist auch gut so